Condor 200
Die FW 200 Condor
Winston Churchill nannte sie die „Geißel des Atlantiks“, gemeint war die Focke-Wulf FW 200 „Condor“. Diese zweifelhafte Ehre erhielt dieser Flugzeugtyp, als er im Zweiten Weltkrieg als Aufklärer, U-Boot-Jäger und Geleitzugbomber im Atlantik und der Nordsee eingesetzt wurde. Eine Rolle, die diesem Flugzeug zu Begin der Planungen nicht zugedacht war. Die Condor wurde vielmehr als viermotoriges Mittelstrecken-Verkehrsflugzeug für den Transkontinentalflug entwickelt und konzipiert.
Ihre Entwicklung fiel in eine Zeit, in der die damaligen Airlines bemüht waren, die transkontinentale Atlantiküberquerung für sich kommerziell nutzbar zu machen. Die bis dahin bestehenden Angebote waren zu teuer und zu lang. So flog die Hindenburg (Zeppelin) über den Atlantik zwischen Europa und den USA in 43 Stunden bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 78 mph (ca. 126 km/h). Der Wettbewerb forderte daher von der Luftfahrtindustrie ab Ende 1935 leistungsstarke Motoren und Flugzeugmodelle, die eine Atlantiküberquerung ermöglichen sollten. Das „Aircraft Year Book 1936“ vermerkt dazu: „The Atlantic Ocean will be the next scene of triumph fort scheduled air transport.” In Deutschland kam hinzu, dass die Deutsche Lufthansa neue leistungsstarke Flugzeuge benötigte, um im Wettbewerb mit anderen europäische Luftfahrtgesellschaften, welche auf die neue amerikanische DC-3 setzten, zu bestehen.
So kam es, das Dipl.-Ing. Kurt Tank, seit 1932 technischer Leiter der Focke-Wulf AG, im Frühjahr 1936 Dipl.-Ing. Bansemir beauftragte, in Zusammenarbeit mit der Deutschen Lufthansa, mit Planungsarbeiten für ein von ihm entworfenes Verkehrsflugzeug zu beginnen. Dieser Entwurf beinhaltete ein Flugzeugmodell, welches in der Lage war mit 20 Passagieren nonstop über den Atlantik zu fliegen. Nachdem im Juni 1936 die ersten Pläne fertig waren, unterzeichnete die Deutsche Lufthansa den ersten Bauauftrag für die FW 200 „Condor“. Tank wettete, dass er in exakt einem Jahr die erste Maschine fertiggestellt habe. Er verlor die Wette um genau elf Tage. Der Erstflug einer FW 200 fand am 27. Juni 1936 statt. Der Pilot war Kurt Tank selber. Dieser erste Prototyp erhielt zuerst die Kennung „Fw 200 V-1-D-AERE Saarland“, später wurde er umbenannt in D-ACON „ Brandenburg“
Abmaße
Spannweite 32,84 m
Länge 23,85 m
Höhe 6,10 m
Flügelfläche 120 bis 180 sqm
Fahrwerkshöhe 5,87 m
max. Zuladung 14.000 kg
Die Konstruktion war die eines viermotorigen freitragenden Tiefdeckers. Mit dreiteiligen Metallflügeln in zweiholmiger Bauweise, welche bis zum Hinterholm blechbeplankt waren und ab dann eine Stoffbespannung aufwiesen. Das Leitwerk hatte eine in einer zweiholmigen freitragenden Bauweise ausgeführte Ganzmetall-Höhenflosse und ein zweiteiliges Höhenruder aus Metall mit verdrehsteifter Blechnase. Das einholmige Seitenleitwerk war aus Metall gefertigt und mit blechbeplankten Flossen und stoffbespanntem Ruder versehen. Der Rest des Leitwerkes war stoffbespannt. Der Rumpf war in Ganzmetall-Halbschalen-Bauweise entstanden, wobei die Außenhülle des Rumpfes aus Aluminium bestand. Das Fahrwerk bestand aus zwei doppelbereiften Hauptfahrwerksgestellen, welche hydraulisch nach vorne in das Innere der inneren Motorgondeln hochfahrbar waren, sowie aus einem einziehbaren Spornrad.
Die Condor bot Platz für bis zu 26 Passagieren und 4 Besatzungsmitgliedern. Ihr Antrieb bestand zuerst aus 4 BMW 132 luftgekühlten Neunzylinder-Sternmotoren mit je 720 PS sowie aus direkt angetriebenen Hamilton-Zweiblatt-Metall-Einstell-Luftschrauben mit je 2,95 m Durchmesser. Die Condor war nicht nur in ihrer Leistungsstärke fortschrittlich, sondern auch in ihrer Technik und ihrem technischen Design. So waren viele der Instrumente des Cockpits auch noch lange Zeit nach dem Weltkrieg in Form, Art und Lage/Anordnung in vielen Zivilen Maschinen anzutreffen. So z.B. bei der Lockheed Constelllation, bei der im Wesentlichen nur die Instrumente für die Motoren ausgelagert wurden, um Platz für einen Flugingenieur zu schaffen.
Die Innenausstattung war für die damalige Zeit sehr komfortabel. So bestand die Inneneinrichtung des gut geräuschisolierten Innenraums aus gepolsterten Sitzen mit Kissen, Leselampe, kleinen Tisch mit Glashalter sowie einem Summer, um den Steward zu rufen. Zu der Zeit flogen Männer als Begleitung. Die Geräuschisolierung war so gut, dass während des Fluges Gespräche in normalen Tonfall möglich waren, ohne lauter werden zu müssen. Des weiteren war die Maschine mit einem Heizungssystem ausgestattet, das es erlaubte den Passagierraum angenehm zu temperieren.
Leistungsdaten bei maximaler Zuladung (14.000 kg)
Max. Geschwindigkeit
0 m 365 km/h
1.000 m 360 km/h
2.000 m 354 km/h
3.000 m 346 km/h
4.000 m 334 km/h
Reisegeschwindigkeit 1.000 m 335 km/h
Landegeschwindigkeit 65 mph 105 km/h
Verbrauch bei 500 l/h 335 km/h
Reichweite 1.500 – 2.000 km
Mac. 4.000 km
Um zu beweisen, wie leistungsfähig die FW 200 war, ließ Tank den ersten Prototypen eine Reihe von Fernflügen absolvieren. Der Erste fand am 27. Juli 1938 zwischen Berlin und Kairo via Saloniki statt. Die nächsten Flüge waren von Berlin nach New York (10. bis 11. August 1938) und zurück (13. bis 14. August 1938) von Berlin nach Hanoi (28. bis 30. August 1938) und von Berlin nach Tokyo (28. bis 30. November 1938), alle Flüge endeten mit neuen Flugwegrekor-den. Auf dem Rückflug von Tokyo stürzte der Prototyp, bei Manila nach dem Start aufgrund ei-nes Pilotenfehlers ab.
Anfang 1939 hatte Tank bereits begonnen, für die japanische Luftwaffe aus der Fw200B einen vielseitigen Bomber für den Seeeinsatz zu entwickeln. Das Ergebnis war die Fw 200 C-Version. Sie unterschied sich nur unwesentlich von der zivilen b-1 Version. Sie erhielt eine Bewaffnung sowie größere Tanks und zwei im Boden eingelassene Kameras und später einen Bombenschacht. Die im Juni 1940 folgende C1/2-Version erhielt dann den stärkeren Motortyp BMW 132 H 830 PS, der schon für die B-2 Version geplant gewesen war. Die Weiterentwicklungen zu den folgenden Versionen der Condor bestanden im Wesentlichen immer nur in der Anpassung an stärkere Motoren, mehr Treibstoff und/oder an eine effektivere Bewaffnung.
Trotz dieser ganzen Ergänzungen und leistungstechnischen Weiterentwicklungen bis hin zum BMW-Bramo 323 R-2 luftgekühlte Neunzylinder-Sternmotoren mit je 1.000 PS, sowie dem Einbau von Waffen, inkl. Drehturm und Bombenschacht, war die Fw 200 eine auf zivile Belange entworfene Konstruktion. Hierdurch war sie vom Konzept und Aufbau nicht für den Einsatz als Langstreckenbomber, der ihr im Krieg zugedacht wurde, geeignet. Sie war weder wendig genug, noch besaß sie die Robust- oder Steifheit für ihre Einsatzrolle als Langstreckenbomber.
Insgesamt wurden 8 Versionen der Fw 200 entworfen, die Versionen A, B-1, B-2, C, C-1, C-2, C-3, und F. Die Version F kam jedoch kriegsbedingt nicht über die Entwurfsphase hinaus.
Autor
Dipl. Kfm. Jan-Ph. Heinisch
Quellen :
- Focke-Wulf Flugzeugbau GmbH Bremen Specification No.1037 (vom 15.02.1938)
- “The Focke-Wulf Fw 200 Condor Airliner” by David Ostrowski
- “The Focke-Wulf Fw 200” by J. Richard Smith
- “Die Deutsche Luftrüstung von 1933 bis 1945” by H.J. Nowarra
Dieser Artikel stellt einen Ausschnitt aus dem Gesamtartikel der Zeitschrift des DTM Berlin Ausgabe 03/2000 dar.