Ich habe eine Frage zu den Hektometertafeln, die i.Allg. heutzutage an den Oberleitungsmasten hängen. Habe mir so einige Führerstandsmitfahrten daraufhin angeschaut, komme aber nicht so ganz hinter das System.
Normalfall scheint zu sein: oben auf dem Schild stehen die Kilometer, darunter die Meter / 100, alle 4 Masten = 200 Meter ist ein Schild aufgehängt. Was mir aufgefallen ist: nur ganz selten sieht man eine dreistellige Kilometerzahl. Woran liegt das?
So, meine eigentliche Frage ist aber: wo beginnt die Zählung und wo endet sie? Beginnt sie in großen Städten, beginnt sie an Grenzen? Letzteres wohl nicht, weil z.B. die Strecke Aachen-Köln in Köln beginnt. Aachen-Mönchengladbach(-Düsseldorf) wiederum beginnt in Aachen.
Wie wird mit abzweigenden Linien verfahren? Also, eine Strecke beginnt bei A, nach 20km ist sie in B, nach weiteren 40km in C. In B zweigt eine Strecke nach D ab. Wird die durchlaufende Strecke weiter gezählt, so dass sie in C bei 60 ist? Beginnt diese abzweigende Strecke bei 0 oder bei 20? Und wo beginnt sie zu zählen? Im Bahnhof oder erst exakt da, wo die Gleise abzweigen, bspw. am Ortsausgang, also z.B. 2 km hinter dem Bahnhof? (ist das einigermaßen verständlich?
)
Danke schonmal!
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Hektometertafeln.... Etwas komplizierteres für unsere heutige Zeit hättest nicht aussuchen können XD Im Prinzip ist das System ja einfach gar keine Frage wenn man aber die ganzen umbauten etc berücksichtigt.... wird es nicht mehr so ganz einleuchtend XD Ich erkläre mal das System der Hektometertafeln aus Sicht in Österreich. Keine Ahnung ob man das in DE genauso übernehmen kann. Aber vielleicht hilft es ja.
Fangen wir einmal bei dem Beginn von der Zählung an:
Als Beispiel nehme ich hier einmal Wien. In Wien haben wir ZIG verschiedene Strecken die jeweils anders gezählt werden.
In Wien Westbahnhof beginnt die Zählung am Gleisabschluss im Bahnhof
In Wien Hauptbahnhof beginnt die Zählung in der Mitte des Bahnhofs aber auch nur wenn man oben herum fährt. Fährt man wieder auf den Gleisen der S-Bahn Stammstrecke ist die Zählung bei Wien Matz und endet wieder am Praterstern indem eine neue Zählung anfängt.
Fehlerprofile:
Fährt man oben weiter, am Hauptbahnhof, in Richtung Bruck/Leitha-Hegyeshalom hat man etwas besonderes. Dort geht es statt von 0 aufwärts bei 100 aufwärts. Aber auch nur 1,8km weit danach hat mein ein Sogenanntes Fehlerprofil und die Kilometerzählung ist von 101,8 auf 1,8 wieder gesetzt und geht wieder aufwärts bis Wien Zentralverschiebebahnhof. Dort gibt es wieder ein Fehlerprofil das im Buchfahrplan dann wiefolgt ersichtlich ist:
km 5,5 = km 0,0
kurz darauf kommt dann: (nur wenn man Richtung Flughafen Wien weiterfährt)
km 1,8 = km 9,1
Diese sogenannte Fehlerprofile sind genau die Stellen indem neubauten, umbauten, andere Trassierungen etc vorhanden sind.
Abzweigungen:
Von Wien nach St. Pölten gibt es eine sogenannte alte Weststrecke und eine neue Weststrecke. Die Alte Weststrecke hat die Strecke 101 und die neue heißt 130. Wenn man jetzt glaubt das beide unterschiedlicher Kilometrische Zählungen hat, kann ich sagen: Ist dem nicht so. Zumindest nicht direkt. Die Alte Weststrecke wird von Wien Westbahnhof aus gezählt. Geht aber auch in die neue mit ein. Im Knoten Hadersdorf (ist ein Tunnel) kann man von der alten Westrecke in die neue Wechseln. Man hat lediglich ein kleines Fehlerprofil durch den umbau aber ansonsten beginnt man nicht mehr von Null. Fährt man auf der alten Weststrecke weiter, geht die Zählung ganz normal weiter. Es gibt allerdings auch stellen indem es wieder anders ausschaut. Da kann eine Strecke irgendwo abzweigen und es geht normal weiter von der Zählung bis zum nächsten Bahnhof und dann endet diese und sie beginnt wieder von neuem. Muss aber keine Abzweigung sein. Sowas hat man auch mitten in der Strecke wie ich die Wiener Stammstrecke als Beispiel vorhin genannt habe.
BTW:
Die Strecke 101 und 130 sind zum Beispiel auf der ganzen länge von Anfang bis zum Endpunkt mehrfach gesplittet. Daher wird das nochmal etwas interessanter als Lokführer XD
Als Lokführer ist es daher bei uns wichtig zu wissen auf welcher Strecke man sich befindet. Im Normalfall weiß der Fahrdienstleiter eh auf welcher Strecke man sich befindet wenn man ihn anruft. Sollte aber mal die Kommunikation ausfallen, aus irgendwelchen Gründen, müssen Rückfallebenen geben. Würde es die nicht geben würde die Bahn bei einer Störung zur gänze stehen und kein einziger Zug würde sich bewegen. Denn wenn man einfach sagt: "Ich befinde mich auf der Weststrecke in Kilometer 52" Weiß der Fahrdienstleiter zwar das man von Wien nach St. Pölten unterwegs ist, aber nicht wirklich auf welcher Strecke. Denn wenn man es genau nimmt hat man von Wien nach St.Pölten 3 verschiedene Strecken zur Auswahl. Da ist die alte Weststrecke durch den Wiener Wald (Pressbaum-Rekawinkel-Eichgraben-Neulengbach), die neue Weststrecke durch das Tullnerfeld (mit dem dazugehörigen Bahnhof Tullnerfeld. Ein Bahnhof übrigens mitten in der Pampa XD) und zuletzt kommt man auch noch über die Franz-Josefs-Bahn nach St.Pölten der die neue Weststrecke in Tullnerfeld kurz parallel führt.
Ratespiel für den FDL in so einer Situation will er eigentlich am allerwenigsten haben.
Die Tafel an sich:
Nun bei uns gibt es auch noch die alten Steinblöcke auf der Strecke neben den Metalltafeln. Ein Beispiel wäre die Strecke St. Pölten nach Krems an der Donau. Es ist eine eingleisige nicht elektrifizierte Strecke aus Anno... jo alt.... und daher hat man dort auch noch die Steintafeln. Üblicherweise sieht bei uns eine Hektometertafel so aus das es aus einer Fettgedruckten Zahl oben und aus einer Fettgedruckten Zahl unten befindet. Oben befindet sich der Kilometer wie 122 und unten die Meterzahl wie 6 für 600 Meter. Kleingedruckt befindet sich dann unten der genaue Standort wie 635 Meter. Für mich Speziell interessiert hauptsächlich die beiden Fettgedruckten Zahlen und das kleingedruckte eher wenig. Das kleingedruckte wird aber für Gleisbauer wieder interessant da diese öfters die genaue Angaben brauchen wegen Infrastrukturbauarbeiten von Anlagen. Dort können sie zum Beispiel genau Einbauten finden wie eine Einschaltstelle für Eisenbahnkreuzungen, der Achszähler evtl, Standort des Signals mit dazugehörigen PZB Magnete, Magnete alleinstehend, Kabeleinbindungen, Löschvorrichtungen etc. Die Liste ist ziemlich lang.
Weitere Möglichkeiten haben wir das auf dieser Tafel noch zusätzlich die Strecke darauf steht auf der man sich gerade befindet, ob es das Regelgleis oder Gegengleis ist und welche Gleisnummer sie hat. Zusätzlich kann es mit Orangenen Linien oben und unten versehen sein. Das zeigt eine sogenannte Schutzstrecke bzw NBÜ Strecke an. Heißt nichts anderes in diesem Teil der Strecke kann ein Fahrgast hinten wie blöd an der Notbremse ziehen.... ich fahre einfach weiter bis ich aus diesem Bereich heraus bin und bleibe dann erst stehen. Eine Meldung das dahinten einer wie blöd diesen Hebel zieht bekomme ich natürlich vorne mit. Kommunizieren kann man natürlich auch mit den Fahrgast. Je nachdem was für einer es ist...... ähhem.....
Das sind dann stellen wie Brücken oder Tunnel. Dort stehen bleiben will keiner von uns. Es sei denn man will unbedingt auf einer Brücke aus dem Zug aussteigen und dann mal 300 Meter tief runter schauen. Oder in einem Tunnel aussteigen das Links und rechts mal so 10km weit noch geht.
Die Tafel befindet sich theoretisch alle 200 Meter. Je nach Bau der Infrastruktur kann das sich natürlich etwas ändern und ist etwas variabel. Das hat aber nichts mit den Oberleitungsmasten an sich zu tun.
Ich denke mal das ist ein grober Überblick wie ich es erklären kann.