Mich begleitet Paradox als Entwickler
bereits seit Europa Universalis II, also seit rund 24 Jahren. Damals
war Paradox noch eine kleine „Klitsche“ von leicht schrägen
Enthusiasten. Ich mag die Global-Strategie-Spiele von Paradox sehr,
habe eigentlich alle gespielt und auch nichts gegen ihr häufig kritisiertes Geschäftsmodell, Spiele sehr lange weiter zu entwicklen und zu
erweitern, indem regelmäßig kostenpflichtige DLCs heraus kommen,
mit denen ein Spiel ausgebaut wird und durch die kostenlosen Patches
über lange Zeiträume hinweg finanziert werden. Über die einzelnen
Inhalte und die Qualität einiger DLCs und auch über die inzwischen
durchaus happigen Preise kann man streiten, aber das Prinzip finde
ich vollkommen legitim. Die Spieltiefe und der Umfang, die dadurch
entsteht, ist es mir im Zweifel wert.
Als Publisher ist Paradox lange
weitgehend unter dem Radar gelaufen, weil sie relativ kleine,
unbekannt gebliebene Titel verlegt haben. Die Ausnahme war vielleicht
Magicka. Und dann kam Cities: Skylines, stieß in eine Lücke, machte
fast alles richtig, war ein Riesenerfolg und spülte plötzlich sehr
viel Geld in die Kassen.
Der Versuch, mit diesem Geld einen
einen sehr großen Schritt als Publisher zu machen ist dann gründlich
in die Hose gegangen. Das hat die Firma offensichtlich überfordert
und die Projekte sind teils übel gescheitert. Auch Cities: Skylines
2 ist wohl noch immer nicht da, wo man es sich erhoffen würde. Aber
das war nach meinem Eindruck nicht nur die Schuld von Paradox,
sondern lag auch an der Überforderung von Colossal Order, als doch
recht kleinem Studio.
Nach dem was wir heute wissen kauft
Paradox weder Urban Games, noch übernehmen sie, anders als bei
Cities: Skylines, die Rechte am Spiel.
Trotzdem erwarte auch ich, dass sich
durch diesen Schritt etwas ändern wird und das, sorry,
„Marketing-Gesülze“ der Mitteilung empfinde ich nicht gerade als
beruhigend.
Denn, klar, die frei verfügbaren und
auch sehr umfangreichen Mods waren auch für mich ein ganz wichtiger
Bestandteil und ein wichtiger Grund, weshalb ich die drei Vorgänger
von Transport Fever 3 gespielt habe. Ohne die großartigen Modder,
die vor allem hier aktiv sind und die Leute aus der MODwerkstatt
würde etwas ganz Entscheidendes fehlen.
Aber vielleicht lassen sich unsere
steigenden Ansprüche auch nicht mehr mit den bisherigen Strukturen
erfüllen und vielleicht muss der Markt für das Spiel dafür auch
erweitert werden. Das kann ich nicht beurteilen.
Bei den Paradox-Spielen Crusader Kings
III und auch bei Cities: Skylines 2 gibt es so genannte „Creator
Packs“. Dass sind kuratierte, kostenpflichtige Mods. Also genau
das, was für Transport Fever 3 kürzlich ebenfalls angekündigt
wurde. Dieser Schritt, und das Paradox diese Form der Vermarktung
bereits betreibt, dass ist vermutlich kein Zufall.
Die für mich entscheidende Frage ist
im Grunde: Werden die bekannten Modder, die über viele Jahre so viel
für die Fever-Spiele getan haben und großartige Arbeit abgeliefert
haben bei dem Programm berücksichtigt und unterstützt? Oder wollen
sie da vielleicht gar nicht mitmachen, können das Spiel aber wie
gewohnt modden? Oder wird die freie Mod-Unterstützung durch dieses
neue Konzept künftig be- oder gar verhindert?