Ich spiele das USA-DLC noch nicht, deswegen kann ich das Vorkommen der dortigen Bahnhöfe nicht bewerten/kritisieren. Grundsätzlich: Ja, ein US-Setting hat US-aussehende Bahnhöfe verdient.
Aber dran denken: Das Europa-Original kommt mit insgesamt drei Bahnhöfen: Zwei Versionen des Personenbahnhofs (alt und neu), und genau einem für Güter. Ebenso bei den Signalen (ein Flügelsignal, ein Lichtsignal), und den Straßenhaltestellen: Häuschen, kleiner und großer Bus-/Trambahnhof je in alt und neu.
Und mehr ist zum normalen Spielen auch nicht nötig. Die zahlreichen tollen Bahnhofs-Mods bringen auch immer nur ein bis fünf Gleise mit, und verdecken durch die exorbitanten Dachkonstruktionen den Blick auf die auch immer toller werdenden Türanimationen der zahlreichen Fahrzeugmods.
Aber was ist der Fokus von UG? Wenn deren Anliegen wäre, im Spiel opulente Abwechslung an Roll- und Baumaterial liefern zu wollen, weil deren zwanzig Designer sonst nichts zu tun hätten, und der eine Entwickler baut den Simulator-Viewer - dann würde die Erwartung der Spieler gerechtfertigt sein, viele verschiedene Modelle zu sehen. Ganz offensichtlich ist das aber nicht der Fokus, sondern ich verstehe das Originalspiel als Simulation von Städtewachstum durch Transportimpulse - und zum Transportieren benötige ich keine zehn E-Loks, die alle maximal 140 fahren, eine Leistung von plusminus 2000 kW und eine Zugkraft von plusminus 130kN haben und Züge mit sechs bis zehn Wagen mit einer Kapazität von 100 bis 200 Personen bewegen - dazu brauche ich genau EINE Lok. Ich brauch auch nicht zehn Repaints eines Wagens zum Transport von immer derselben Anzahl Personen zum gleichen Preis - ein einziger Wagen tut's auch.
Der Punkt ist: Das Spiel bietet mit dem Ablauf der Spieljahre unterschiedliche Transportmittel an, die der Spieler einsetzen kann. Die Limitierung auf "Das Spiel bietet nur genau EINE neue, moderne Lok ab z.B. 1950 mit ihren Leistungs- und Preisdaten" sorgt dafür, dass der Spieler abzuwägen hat, wo dieses neue Transportmittel sinnvoll einzusetzen ist, und wo nicht. Man wird vermutlich keine BR 103 vor einen Vorort-Zug mit zwei Donnerbüchsen packen - außer es wäre wirtschaftlich (wobei die BR103 realistisch korrekt merklich hohe Betriebskosten aufweist, die sie in echt auch hatte).
Nur mal als Beispiel für spieltechnisch sinnlose Mods: Die Koef III. Höchstgeschwindigkeit 45 km/h, Startjahr 1958. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand diese Lok schon gewinnbringend und sinnvoll auf einer Linie eingesetzt hat. Es wäre also sinnlos, sie als spielrelevantes Element durch UG selbst herzustellen. Parallel kommt die V100 mit 90 km/h raus, lange vorher bis 1957 gibts die Class A4 mit 145km/h, und in der Zeit die Re4/4 mit 125km/h.
Und was hat UG definitiv gelernt in der Zeit seit dem Release: Es gibt eine grandiose Modding-Community, die keine Zusatzwünsche, auch keine Exoten, offen lässt. Auf diesem Terrain in Konkurrenz treten zu wollen wäre ein eher sinnloser Wettlauf.
Das Hauptproblem, was ich empfinde: Es gibt zu wenig Kommunikation an die breite Masse seitens UG (das wichtigste dabei: Erwartungsmanagement, damit keine bösen Enttäuschungen entstehen), und es gibt auf der anderen Seite eine zu selbstgerechte Konsumentenhorde, der man es mit Nichts recht machen kann, und die einen sehr eingeschränkten, subjektiven Blickwinkel mit großem Getöse vertritt: "Was soll das blöde USA-DLC, wer braucht das schon! Gebt mir lieber meine Kreuzungsweichen". Und keiner versteht, dass UG zwar mutmaßlich das Spiel schon sehr gut verkauft hat, aber weiteres Geld nur durch neue Verkäufe reinkommt. Und neue Verkäufe kriegt man nach dem initialen Release nur durch weitere Kaufimpulse. Oder anders ausgedrückt: Wenn das Geld alle ist, gibts keine neuen Features mehr - auch keine Kreuzungsweichen.