Ich würde mir einen Fahrplan wünschen, dann müssten die Züge im Bahnhof warten bis ihre Abfahrtszeit gekommen ist. Bitte nehmt das Zeitlimit von 20 Minuten raus, im realen Leben fahrt man manchmal auch 2 Stunden Zug. Welteditor wäre cool und Schienenkreuzungen.
Beide wünsche haben ein Problem: Welche Zeitskala soll man nehmen, um das umzusetzen? Train Fever hat im Prinzip 2 Uhren laufen: Die Uhr des ablaufenden Jahreskalenders, bei dem ein Tag innerhalb von 2 echten Sekunden vergangen ist, und eine nicht dargestellte Echtzeituhr, die für diese maximale Reisezeit verantwortlich ist.
Wenn Reisende maximal 20 echte Minuten fahren wollen, und es andernfalls nicht tun, ist das durchaus realistisch - nur auf einer anderen Zeitskala, denn diese 20 Minuten sind in Spielkalenderzeit 600 Tage! Eine Reise, die fast zwei Jahre dauert? Und dann nur den sprichwörtlichen "Katzensprung" an Distanz schafft, den "Weg zum Arbeitsplatz" oder zum Einkaufen... Ja, auch das ist komplett unrealistisch, wenn man es genau nehmen würde, doch das sind eben die Effekte, die man erhält, wenn man die Zeitskala modifiziert, aber den Rest nicht.
Würde Train Fever die Realität realistisch modellieren, würde man vielleicht in Echtzeit einer Zugfahrt beiwohnen können - aber ein realer Tag würde dann 24 echten Zeitstunden entsprechen, und ein Zug wäre die meiste Zeit mit kaum merkbarem Vorankommen beschäftigt. Die Reisenden würden niemals zu großen Zahlen auf die Idee kommen, als Einkaufsweg in die nächstgelegene Stadt zu fahren, egal ob dies 20 Minuten oder mehr dauert, weil in der eigenen Stadt immer auch ein Einkaufszentrum vorhanden ist, welches garantiert in deutlich weniger Zeit erreicht werden kann - umgekehrt hingegen wird eine realistische Einkaufsfahrt, egal ob mit Bus oder Auto, eher auch deutlich mehr als 30 Minuten dauern. Für solch lange Zeiträume sind dann aber die Modellstädte zu klein, so langsam kann ein Bus gar nicht fahren.
Ich halte es also für Unsinn, an der Regel zur Begrenzung der maximalen Fahrzeit etwas zu drehen. Die Zeitdauer ist gewählt, um zu verhindern, dass sich die simulierten Bewohner allzu exotisch entfernte Fahrziele suchen und beispielsweise zwei echte Zeitstunden brauchen, um zum Ziel und zurück zu kommen. Denn das Problem ist: Wenn in der Zwischenzeit das Wohnhaus einer Umbaumaßnahme zum Opfer fällt, wird der Bewohner sowieso entfernt und neu gestartet. Je länger er unterwegs sein darf, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er den Weg niemals vollständig beendet.
Stattdessen wird er sich ein Ziel suchen, dass er innerhalb von 20 Minuten erreichen kann. Dies ist garantiert, außer er findet für einige seiner Tätigkeiten kein aufnahmefähiges Ziel (z.B. keinen Arbeitsplatz). Irgendwohin werden alle Bewohner fahren. Das Aufheben der 20-Minuten-Regel würde nur bedeuten, dass alle Bewohner immer überall hin fahren könnten, was wiederum eine sehr schlecht planbare Linienauslastung bedeuten könnte. So, wie es jetzt ist: Wenn ich zwischen zwei Städten eine schnelle Zugverbindung herstelle, ist sehr wahrscheinlich, dass viele Bewohner sie nutzen werden, weil sie damit innerhalb von 20 Minuten an jedes Ziel der anderen Stadt kommen könnten.
Hinsichtlich des Wunsches nach einem Fahrplan: Nach welcher Zeitskala sollte man den bauen? Im Spiel gibt es keine Tageszeiten, keine Uhr mit Stunden und Minuten, es laufen lediglich ganze Tage ab. Ganze Tage sind allerdings nicht so wirklich die ideale Basis für einen Fahrplan. Ich habe außerdem den Bedarf für einen Fahrplan noch nicht so ganz verstanden. Züge sollen länger warten - warum? Das hebt den Takt, macht die Zugverbindung unattraktiver, ist insgesamt nur sinnvoll bei relativem Bezug zum restlichen Zugverkehr (beispielsweise wartet der Regionalzubringer auf das Eintreffen des ICE - auch wenn dieser sich verspätet). Dies ist allerdings in keiner Weise hilfreich, weil das Spiel derzeit nur aufgrund der Fahrt- und Taktzeiten (= "sinnlose" Wartezeiten) entscheidet, ob ein Bewohner die Reise antritt. Dass keine Wartezeit entsteht, weil Züge aufeinander warten, ist derzeit nicht integriert, wäre auch schwierig machbar, und die Folgen wären unabsehbar:
Angenommen, der ICE steckt im Stau fest (starker Güterverkehr auf seiner Strecke) - dann wird der Regionalzug entweder zur fixen Zeit abfahren, was die Berechenbarkeit der Wartezeit eliminiert (das würde nichts am Ist-Zustand ändern) - oder der nicht eintreffende ICE blockiert die gesamte Zeit die Abfahrt des Regionalzuges, der wiederum sein Gleis für alle anderen dort verkehrenden Züge blockiert, was wiederum deren Eintreffen andernorts blockiert und dort Züge an der Weiterfahrt hindert. Die damit erreichten Fahrtverzögerungen und Netzprobleme dürften ... "interessant" sein.
Abgesehen davon haben die Entwickler einer Fahrplanfunktion nach meiner Erinnerung schon eine Absage erteilt.