Korrupte Regime, wie zum Beispiel in Ungarn, Polen, aber auch in Russland, einigen afrikanischen Staaten und in anderen Ländern der Welt, nutzen oft auch gerade homophobe Motive um sich als Verteidiger des "Volkswillens" oder einer aktiv zur politischen Verwertbarkeit konstruierten "nationalen Identität" zu verkaufen. In islamischen Ländern läuft das ähnlich, aber vor einem nochmal anders gelagerten ideologischen Hintergrund.
Eigentlich ist die Homophobie selbst ja das politisch-ideologische Marketingelement. Daß das letztlich nichts als blanker, menschenverachtender Opportunismus ist, sieht man im Fall Ungarn ja auch gerade an Personalien wie József Szájer (Link). Aufklärung gegen Homophobie würde der herrschenden Clique eines ihrer Marketingelemente nehmen und natürlich wehrt sie sich deshalb dagegen mit all den Mitteln, die ihr so eine Quasidiktatur bietet.
Das Schlimme ist: Man muss es als Phänomen ernst nehmen, obwohl es eigentlich so lächerlich ist. Inhaltlich ist da ja nichts. Die religiösen Motive, die dann manchmal vorgeschützt werden, sind von der seriösen Theologie in den letzten 40 Jahren schon doppelt und dreifach dekonstruiert worden. "Wissenschaftliche" Argumente für Homophobie kriegt man auch nur noch von Nischenschwurblern oder gekauften Pseudowissenschaftlern im Dienst des Regimes. Also wird halt ein großes Gegenfeuer konstruiert: Da sind dann die anderen die "Ideologen", die anderen sind die Korrupten, die Gekauften, die "Schlafschafe", die "Eliten", usw. usf. Es ist ziemlich blöd, daß diese Erzählungen hier so selten als die fadenscheinige, konstruierte Propaganda entlarvt werden, die sie sind und immernoch viel zu oft inhaltlich ernst genommen werden. Aber AfD, aber auch Teile von CDU und co. stoßen hier halt ins selbe Horn, weil es anderswo so gut funktioniert und weil sie ja selbst teilweise ähnliche Marketingstrategien verfolgen. Die CDU hat keine autoritäre bis faschistische Diktatur im Sinn, wie die AfD, aber sie nutzt gerne immer mal wieder dieselben Marketingmethoden im Kampf um entsprechende Wählerschichten. Da macht die "harmlosere" Ausrichtung der CDU die Sache am Ende auch nicht besser und flankiert am Ende nur die Strategie der AfD.